Finale – Auf Wiedersehen St. Nazaire

Der Besuch in St. Nazaire neigt sich dem Ende. An dieser Stelle möchte ich einen recht herzlichen Dank an Hervé Bureau und sein Team für die sehr freundliche und aufgeschlossene Aufnahme meiner Person in St. Nazaire richten! Auch geht ein herzliches Dankeschön an Mariama Alou (Städetpartnerschaft) für die Unterstützung in der Organisation sowie Monika Marout für die hervorragende Übersetzungsleistung.

Monika Marout

Monika Marout

Ausflug in die Praxis – der fünfte Tag

Zum Abschluss der Visitation konnte ich die Direction de l‘ entance et de l’éducation besuchen. Herr Ivan Foulquier stellte seine Abteilung vor. Drei wesentliche Aufgaben prägen das Bild:

  1. Verfügung Stellung und Unterhaltung von Gebäuden für Grundschulen (in Frankreich sind hier Kindertagesstätten und Grundschulen zusammengefasst) entsprechend der gesetzlichen Vorgaben.
  2. Durchführung der zentralen Schuleinschreibung – das Gesetz sieht vor, dass in den Gemeinden eine Voreinschreibung stattfinden muss.
  3. Organisation der Vor- und Nachschulbetreuung, der Mittwochsbetreuung sowie der Mittagsbetreuung mit Partnern wie (OMJ, Konservatorium, Kunstschule, Sport u.a.)

Personnels des écoles

Neben den Abteilungsaufgaben sind zwei weitere Sachgebiete angeschlossen. Das Sachgebiet von Ivan Foulquier (Personnels des écoles) umfasst:

  1. Personalverwaltung der ATSEM. Unter ATSEM versteht man die von der Gemeinde im Rahmen freiwilliger Leistungen beschäftigten Hilfskräfte für die Lehrer/innen im „Kindergarten“. In St. Nazaire werden derzeit 100 Hilfskräfte beschäftigt.
  2. Eine weitere Aufgabe beinhaltet die Überpüfung der Umsetzung der Beschlüsse des Stadtrates. Hier wird eng mit demLehrpersonal sowie dem jeweiligen zuständigen Stadtrat zusammengearbeitet. (in St. Nazaire ist für jede Schule ein Stadtrat zuständig)
  3. Der dritte Bereich beinhaltet die Projektarbeit mit „Mexiko“. Der Auftrag umfasst hier die Kontaktaufnahme zu Schulen im Bezug zur interkulturellen Arbeit. Schulen können Themen vorstellen (Umweltschutz, Fairtrade, Tourismus u.a.). Auch werden Themen wie das „Meer“ behandelt und in diesem Zusammenhang auch Bereich wie segeln, Schifsbau u.Ä. behandelt. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist der Spracherwerb der Fremdsprache (hier: spanisch). Hierzu werden entsprechende technische  Mittel wie (Computer, Video usw.) zur Verfügung gestellt. Neben diesen für die Kinder vorgesehenen Bereichen können die Lehrer an Austauschprogrammen teilnehmen.


Actions éducatives et 12-14

Das zweite Sachgebiet (Actions éducatives et 12-14) wird von Grégory Rocher geleitet. ZU seinen Aufgaben zählen:

  1. Animation – und Mittagstischfreizeitgestaltung (beim Essen – rund 3000 Kinder nehmen am Essen teil – und in den Pausen). In diesem Bereich sind rund 300 Mitarbeiter/innen beschäftigt. Die Angebote werden an die kurzen zu betreuenden Zeitspannen angepasst. Zu den Aktivitäten zählen Angebote im Bereich der Kreativität,  des Sportes usw. In „Prioritätszonen“ – (schwierige Gebiete) wird ein erhöhter Personaleinsatz vorgehalten. In den Angeboten wir eng mit verschiedenen Partnern zusammengearbeitet. (Bsp.: Angebote im Rahmen der Fairtrade Woche in Zusammenarbeit mit einem Verein).
    Insgesamt sind sechs Themengruppen aktiv. Zu den Themen zählen u.a. Theater, Wissenschaft, Natur- und Umweltschutz.
    Auch gehört die Weiterbildung der Animateure zu den Aufgaben.
    Auch diese Angebote zählen zu den freiwilligen Leistungen und das Budget wird von der Stadt vorgehalten.
    Eine enge Zusammenarbeit erfolgt auch mit OMJ. OMJ übernimmt die Betreuung der Kinder in der Vor- und Nachschulbetreuung, der Mittwochsbetreuung sowie der Mittagsbetreuung.
  2. In enger Zusammenarbeit mit dem Erziehungsministerium werden Projektstunden geplant. Lehrer können an die Gemeinde bis zu vier Wünsche mit Themen für die Projektstunden richten. Ein Ausschuss (bestehend aus Vertreter/innen des Erziehungsministeriums, der Stadt und verschiedenen Trägern (Anbietern) entscheidet über die Zuwendung.
    Themen der Projektstunden können sportliche Angebote, eine Animation Radfahren für Kinder im letzten Kita Jahr), Projekte im Umweltschutzbereich, u.a. sein.Im Bereich des Umweltschutzes arbeitet Grégory Rocher eng mit dem örtlichen Naturschutzgebiet (Nationalpark an der Loire) zusammen. Dieses bildet ein besonderes Schutzgebiet für durchziehende Vögel.Ein weiteres Projekt stellt der Schulaustausch mit Nante dar. Eine Woche verbringen die Kinder jeweils in der anderen Stadt.

    Auch werden kulturelle Angebote (Musik, Tanz, Theater usw.) sowie die Zusammenarbeit mit der Bibliothek (Vorlesestunden) gefördert. In Zusammenarbeit mit Seniorenvereinen werden Mehrgenartionenprojekte durchgeführt. Regelmäßig werden auch Eltern und Großeltern zu Theaterveranstaltungen eingeladen.

  3. In Zusammenarbeit mit dem Quartiersverein und anderen Vereinen werden Hausaufgabenhilfen ausgerichtet. In fünf Quartiershäuser sowie von zwei Vereinen werden von insgesamt 100 Freiwilligen (zweimal wöchentlich) Hauaufgabenhilfen angeboten. Die Aufgaben in diesem Bereich beinhalten die Koordination der Freiweilligen sowie deren Ausbildung. Die Beschäftigung der Freiweilligen erfolgt jeweils von den Einrichtungen vor Ort.
  4. Auch gehört zu diesem Aufgabenbereich die Mitwirkung im „Comenius“ Projekt mit England.

Ausflug in die Praxis – der vierte Tag

Quartiershaus (mit Jugendtreff) eines Trägervereins

am Beispiel < maison quartier „La Bouletterie“ >

Ein Partner in der konkreten Arbeit von Myrijam Peuzia bildet die Zusammenarbeit mit den Quartiershäusern sowie deren Jugendtreffs. Am Beispiel von „maison quartier La Buletterie“ zeige ich kurz den Aufbau auf.

Die Quartiershäuser werden einerseits über die Familienkasse finanziert (mit dieser wurden entsprechende Kooperationsverträge geschlossen die im Zeitraum von 4 Jahren evaluiert werden) andererseits finanziert die Stadt St. Nazaire diese über ihre Mittelzuwendungen an den Trägerverein der Quartiershäuser mit.

Im maison quartier La Buletterie arbeiten sieben Mitarbeiter/innen. Neben der Directrice Véronique Achalle sowie fünf weitere Mitarbeiter/innen (u.a. drei Animateure) die beim Quartiersverein angestellt sind arbeitet ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Team mit, der die Aufgaben eines „Bürgerbüros“ übernimmt.

Frau Directrice Véronique Achalle erläuterte die Ziele des „maison quartier La Buletterie“:

  • Mehrgenerationen- und interkulturelles Wohnen
  • Inklusion (Vereinsamung entgegenzuwirken)
  • Begleitung der Quartiersveränderung (Demographie)
  • Soziale Mischung (Einwohnerstruktur des Quartiers)
  • Familienberatung (Erziehungsphasen, Unterstützung, Alleinerziehende)
  • Quartiersplanung – soziale Zusammensetzung (Mischung zwischen Mietwohnungen und Eigenheimen)
  • Informationsstelle (u.a. für städt. Informationen)
  • Projektmediation (zwischen Bürgern und Verwaltung in Planungsfragen u.a.)

Wichtig für das „maison quartier La Buletterie“ ist, dass eine Mitwirkung für Ehrenamtliche ermöglicht wird und als  Treffpunkt für alle Generationen fungiert.


Fazit aus dem Bereich der Quartierhäuser

Es besteht eine Parallele im Rahmen der Entwicklung der Mehrgenerationenhäuser (Miteinander der Generationen) zum Ansatz der Quartiershäuser in St. Nazaire.
Jugendtreff im Quartier eines Trägervereines

Im Weiteren konnte ich mir einen Jugendtreff im Quartier ansehen. Exemplarisch konnte ich den Jugendtreff im Quartier „Petit Capard“ besuchen. Erwan Rivet, Animateur für den Jugendtreff, erläuterte, dass die Animateure jeweils für verschiedene Zielgruppen zuständig sind. In der Regel sind die Jugendtreffs für die Alterstufe der 12 bis 16 jährigen ausgelegt.

Die Zielgruppe von Erwan Rivet liegt im Alter von 16 bis 25 Jahren. Er selbst arbeitet mit der Zielgruppe u.a. auch auf der Straße. Seinen Auftrag definiert er wie folgt:

„Unterstützung der Jugendlichen ihren Sozialraum zu verbessern und diese zu stärken eigenverantwortlich zu handeln (z.B. Anträge an die Verwaltung zu stellen). Einen weiteren Schwerpunkt sieht er darin spezielle Freizeitaktivitäten für und mit den Jugendlichen zu planen.“

Ausflug in die Praxis – der dritte Tag

„Politiques éducatives et jeunes“ – Bildungspolitik und Jugendliche

Am dritten Tag stand ein Besuch im Bereich „Politiques éducatives et jeunes“ auf dem Programm. Frau Nathalie Jan informierte mich über ihr Aufgabengebiet. Als Stabstelle direkt dem Pole zugeordnet arbeitet sie mit allen Stellen zusammen und ist u.a  zuständig für die Bereiche:

  • Grundprogramm (0 bis 16) in Zusammenarbeit mit der staatlichen Schulbehörde und dem Bereich Sozialpolitik der Stadt
  • Schaffung spezieller Angebote für „benachteiligte“ Stadtteile u.a. Maßnahmen für Kinder mit Risiken und Benachteiligungen u.a. in den Bereichen „Gesundheit, Kultur und Sport“
  • Schulbegleitung  - als Ergänzung nach der Schule
    (hier werden die Bedürfnisse geprüft und mit den Partnern: Eltern, Schule, Freizeiteinrichtungen besprochen.
  • Einrichtung spezieller Clubs  
    (L’éducation l’affaire de tous, une ambition pour chacun – Bildung geht uns alle an, ein Ziel für jeden)
    * Lese-Club)
    * Lieu passerelle (ein kleiner Schritt in Richtung Schule)
    * u.a.
  • Streetwork
  • Betreuung von Jugendtreffs in den Quartiershäusern der Quartiersvereine

Derzeit führt die Stabstelle eine Befragung der Jugendlichen in St. Nazaire über deren Situation, Wünsche und Vorstellungen durch. Als Medium wird die Arbeit mit der Videokamera genutzt.

Résumé – Zusammenfassung des zweiten Tages

Zentrale Anlaufstellen
Wie bereits in vorherigen Artikeln festgestellt wurde, wird in Frankreich versucht – im Gegensatz zu Deutschland – möglichst für die Bevölkerung eine zentrale Anlaufstelle für spezielle Lebensfragen vorzuhalten, in denen verschiedenste Dienstleistungen zentral abgerufen werden können.

In Deutschland werden diese – entsprechend des Subsidiaritätsprinzips – einerseits von verschiedensten staatlichen Behörden und Stellen wahrgenommen – und andererseits übernehmen Freie Träger (Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Vereine usw.) die weitere Bearbeitung.  Zwar werden auch in Frankreich private Träger beteiligt, jedoch die Grundstruktur wird vielerorts durch die Kommune aufgebaut – in Deutschland obliegt diesen oftmals der Auftrag der Steuerung auf der örtlichen Ebene.

Einrichtung eines Empfangs
Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass alle Einrichtungen, die ich besuchen konnte, im Eingangsbereich über einen eigenen Empfang verfügen. Für die Bevölkerung steht so eine direkte Ansprechperson in der jeweiligen Einrichtung im Eingangsbereich zur Verfügung, die einerseits eine Lotsenfunktion übernehmen kann, andererseits als Ansprechpartnerin für verschiedene Fragen fungieren kann, aber auch Verwaltungstätigkeiten übernimmt. Diese Funktion einer „Réceptionistin” unterstützt so u.a. in der ersten Kontaktaufnahme eine Begleitung durch die Einrichtung (Lotse) und bei weiterer Nutzung die Funktion als Anlaufstelle, Kontaktperson, usw. und garantiert so ein „Willkommen“ für alle Nutzer.

Ich stelle für mich fest: Chapeau – oder Hut hoch vor diesem Ansatz.

In Erwartung auf den morgigen Tag…..

Michael Leinenbach

Ausflug in die Praxis – der zweite Tag (2. Teil)

Personnes Agées  / Seniorenarbeit

Der zweite Teil des heutigen Tages widmete sich der zweiten Säule des „Actions Sociales“- der Seniorenarbeit. Wichtig ist zu berücksichtigen, dass die Zielgruppe hier „derzeit noch“ ab dem 60. Lebensjahr (Renteneintritt in Frankreich) festgelegt wurde. Frau Lydie Alexandre erläuterte die ihr zugeordneten drei Fachbereiche sowie die angeschlossene Stabsstelle. Diese sind:

  • CLIC (Pilot‘ àge) – Lokales Informations- und Koordinationszentrum
  • Animation – Prävention
  • Foyer logements / Wohnanlage für Senioren mit selbständiger Lebensführung
  • Stabstelle: „Evaluation de la dépendance“ – landesweit eingerichtete Stelle zur Überprüfung möglicher Leistungsansprüche durch die Kassen

Im Anschluss an die Vorstellung bestand die Möglichkeit die verschiedenen Bereich kennen zu lernen.

 „CLIC“
Zunächst konnte ich  „CLIC“ besuchen. “CLIC”, ein lokales Informations- und Koordinationszentrum wurde vom „conseil général“ Loire Atlantique  eingerichtet. Frau Véronique Caillon (Koordinatorin) erläuterte das Angebot. Zunächst wurde zur Umsetzung eine vertragliche Regelung mit „Pflichtenheft“ mit dem „conseil général“ vereinbart. Alle drei Jahre werden die dort vereinbarten Ziele und die Umsetzung evaluiert. Die Stadtverwaltung von St. Nazaire übernimmt mit ihrem Stützpunkt die Versorgung des Städteverbundes „CARENE“. Die Mitglieder des Städtebundes zahlen jeweils für einen Festbetrag (Pro-Kopf) für die Personen über 60 Jahre aus der jeweiligen Gemeinde um die Finanzierung von CLIC zu gewährleisten.

CLIC steht älteren Menschen aus dem Bereich der „CARENE“ als Anlaufstelle zur Verfügung. CLIC gibt Auskunft, welche Hilfs – und Unterstützungsmöglichkeiten bestehen und welche Ansprechpartner es für die unterschiedlichen Fragen gibt. Ein Aufgabengebiet beinhaltet die Beratung im Bereich der Hilfen um eine eigenständige Haushaltsführung aufrechtzuerhalten. CLIC gibt hier Auskunft über haushaltsnahe Dienstleistungen, Notruftelefone u.ä., Möglichkeiten des Mittagstisches usw.

Animation – Prävention
Die zweite Anlaufstelle im Bereich der Seniorenarbeit war die Anlaufstelle „Animation Prévention direction de l‘ Action sociale es des Personnes ágées“. Diese Anlaufstelle bietet spezielle Angebote im Bereich Beschäftigung (Animation) sowie Vorsorge (Prävention) an. Gefördert werden u.a. Kreativität, kulturelle Teilhabe, Gemeinschaftserleben, sportliche Aktivitäten (Wanderungen, Spaziergänge).

Eine besondere Aufgabe des Präventionsteams besteht darin, dass in den Monaten Juni bis September speziell für alleinlebende Senior/innen bei Hitze eine „Wasserversorgung“ angeboten wird. Hierzu werden in Zusammenarbeit mit örtlichen Gruppen und Ehrenamtlichen entsprechende Listen erstellt um den Bedarf zu eruieren.

Foyer logements / Wohnanlage für Senioren mit selbständiger Lebensführung
Die dritte Station des heutigen Tages war die Wohnanlage für Senioren mit selbständiger Lebensführung. Die Direktorin Sylvie Barnard stellte die Wohneinrichtung für Senioren mit selbständiger Lebensführung vor. Ziel der Einrichtung ist es den Bewohnern einen größtmöglichen Rahmen zur weiteren selbständigen Lebensführung zu ermöglichen. Gleichzeitig werden Animationsprogramme sowie spezielle Veranstaltungen durchgeführt. Eine Auflage um in der Wohnanlage leben zu können ist die jährlich zu erstellende medizinische Bescheinigung die die Möglichkeit der eigenständigen Lebensführung bestätigt. Als wesentlich sieht Sylvia Barnard an, dass bereits mit dem Einzug in die Wohnanlage der weitere Weg – sollte die selbständige Lebensführung nicht mehr gewährleistet werden können – mit der Bewohnerin / dem Bewohner besprochen wird. Die Wohnanlage, die aus zwei Wohnanlagen besteht hält auch eine Wohnung für Angehörige vor (Familienwohnung), so dass diese in dringenden Fällen vor Ort sein können.

Stabstelle: „Evaluation de la dépendance“
Als vierte Einheit muss die Stabstelle: „Evaluation de la dépendance“ gesehen werden. Diese im Gebäude von CLIC angesiedelte Stelle (die landesweit in Frankreich vertreten ist) prüft im Auftrag der Kassen Anträge der Mitglieder u.a. im Bereich der „Unterstützung in der Aufrechterhaltung der Mobilität“.

Ausflug in die Praxis – der zweite Tag (1. Teil)

Entsprechend der Informationen am gestrigen Tag standen heute die beiden Schwerpunkte im Bereich der städt. Sozialpolitik  auf dem Programm. Ein Ausflug in die Praxis erfolgte.

„Actions Sociales“ / Soziale Leistungen
Zunächst wurde ich von Herrn Sébastien Perrinel, dem zuständigen Leiter des Bereiches „Vorbeugung, Eingliederung und Prävention“ begrüßt. Er erläuterte mir die drei Fachbereiche die zu seinem Bereich der „Actions Sociales“ gehören:

  • Soziale Unterstützung und Integration
  • Unterkunft F. Blanchy (Obdachlosenunterkunft)
  • Dienstleistungen und Solidarität
  • Stabstelle “Permanence distribution alimentaire” (Laufende Verteilung von Lebensmitteln)

Wie bereits gestern erfahren gehören die meisten der Angebote zu den freiwilligen Leistungen. „Actions Sociales“ verfügt über einen eigenes Verwaltungsgebäude. Im Eingangsbereich ist ein Empfang angeschlossen, an dem verschiedene städt. Anfragen erledigt werden (analog dem Bürgerservice im Saarlouiser Rathaus). Im Erdgeschoss des Hauses können die Bürger/innen verschiedene Anfragen zu den Sozialen Themen an die Verwaltungsmitarbeiter richten und Anträge u.a. zum Erhalt einer „Sozialkarte“ stellen. Im ersten Stock stehen Sozialarbeiter/innen (Travailleurs sociaux) mit unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen den Bürger/innen als Berater zur Verfügung. Bei Bedarf können diese auch Hausbesuche durchführen. Wichtig ist auch, dass die Hilfesuchenden im Notfall eine Soforthilfe erhalten können (z.B. Essengsutscheine).

Im Anschluss an den Besuch des Sitzes von „Actions Sociales“ konnte ich die Unterkunft F. Blanchy (Obdachlosenunterkunft) besuchen. Dieses ehemalige „Arbeiterheim“ wurde der Stadt als Anlaufstelle für ihre Arbeit mit Obdachlosen zur Verfügung gestellt.

Hinter dem Tellerrand …… der Blick in die Soziale Arbeit….. (der 1. Tag)

Am heutigen 1. Tag wurde ich von Herrn Hervé Bureau, dem stell. Leiter des „Pole“ für Sozialpolitik und Erziehung (Schulwesen) – die Organisationsform der „Pole‘s“ wurde in St. Nazaire neu gebildet – begrüßt. Hervé Bureau stellte mir die Organisationsform und Gliederung des Pole‘s vor.

Am Nachmittag war ich zu Gast bei Frau Nathalie Bouganne, Direction du CCAS (Centre Communal d‘ Action Sociale). Ich konnte zunächst lernen, dass in Frankreich per Gesetz die Kommunen ab einer bestimmten Größe verpflichtet sind ein CCAS zu bilden. Diese einerseits unabhängige Organisation beschäftigt andererseits jedoch Mitarbeiter/innen der Stadt und nimmt die Aufgaben der kommunalen Sozialen Arbeit war. Analog zu Deutschland wird auch in Frankreich zwischen Pflichtaufgaben und Freiwilligen Aufgaben unterschieden und analog zu Deutschland sind auch in Frankreich verschiedene Gebietskörperschaften für die Umsetzung der gesetzlichen Aufgaben zuständig. So gibt es in Frankreich auch eine ähnliche Struktur wie die der Landkreise in Deutschland.

Zu den kommunalen Pflichtaufgaben, in Frankreich zählen die Gewährung eines „Domizils“ – heißt die zur Verfügung einer Wohnadresse,  sowie die Gewährung einer Notunterkunft. In Deutschland werden notwendige Postfächer für Hilfesuchende oft bei den Leistungsträgern (z.B. JobCentren) erteilt, die Unterbringung in Notquartiere erfolgt in der Regel über die Ordnungsbehörden.

Neben den benannten Pflichtaufgaben werden vom CCAS auch Freiwillige Leistungen wahrgenommen, die vom Stadtrat entschieden werden. Auch hier ähneln sich die beiden Systeme. Zu diesen Freiwilligen Leistungen, die in beiden Ländern entsprechend der bestehenden Beschlüsse erfüllt werden, zählen u.a.:

  • Beratung und Begleitung von Hilfsbedürftigen,
  • Angebote für Ältere und Barrierefreiheit,
  • Förderung von Associations (Vereine) in Frankreich – analog der Förderung der Freien Träger in Deutschland,
  • Ausgabe von „Sozialpässen“,
  • Unterstützung und Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen (Frauenhaus, Lebensmittelausgabe, Kleiderausgabe, Möbelausgabe usw.)
  • Angebote im Bereich der Gesundheit und Ernährung.

Ergänzend wird in Frankreich den Mitarbeiter/innen der Trägervereine – innerhalb der internen Fortbildungen der Kommune sowie speziellen fachlichen Fortbildungen – die Möglichkeit der Teilnahme gegeben. In Deutschland werden Fortbildungen sowohl für die Fachkräfte innerhalb der Kommune als auch bei den Trägern meist von speziellen Fortbildungseinrichtungen durchgeführt.

Fazit des ersten Tages:

Es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten innerhalb der beiden Länder im Bereich der Sozialen Arbeit. Jedoch auf Grund der unterschiedlichen Systeme und des in Deutschland gesetzlich geforderten „Subsidiaritätsprinzips“ sind Unterschiede in den Zuständigkeiten der strukturellen Ebene erkennbar.

Wird in Frankreich versucht alles unter „einem Dach“ zu vereinen – so orientiert sich Deutschland eher an strukturellen Zuständigkeiten und Leistungserbringen sowie dem Subsidiaritätsprinzip und somit sind jeweils verschieden Stellen in der Zuständigkeit.

Es bleibt spannend, was die nächsten Tage noch alles aufzeigen werden.

Michael Leinenbach

Der Blick über den Tellerrand…..

Fachkräfteaustausch Saarlouis – St. Nazaire 2011

Sonntagmorgen, es ist soweit – 10.02 Uhr ab Saarlouis Hauptbahnhof geht’s über Saarbrücken und Paris nach St. Nazaire. Europa wächst zusammen – hört man überall. Wie sieht dieses „Zusammenwachsen“ in den Bereichen der Sozialen Arbeit und Bildung aus? Um mir hier ein eigenes Bild zu machen – und den Blick über den Tellerrand zu wagen – geht’s auf nach St. Nazaire. Mit dem Wissen aus Saarlouis und einer großen Portion Neugierde darauf, wie diese Bereiche in St. Nazaire strukturiert sind, mache ich mich auf den Weg.

Bereits seit 2009 arbeiten die beiden Städte Saarlouis und St. Naziare im Rahmen ihrer Städtepartnerschaft aktiv an einem Fachkräfteaus in diesen Bereichen. Europa leben und nicht nur diskutieren. Mit diesem Besuch sollen weitere Weichen für ein zukünftiges Miteinander auch der Fachkräfte gestellt werden.

Es ist 12.10 Uhr und der TGV sprintet in Richtung Paris

.Michael Leinenbach